Open Air Tag

Samstag, der Tag, auf den Mayrhofen schon fieberhaft wartet. Zumindest hat man hier den Eindruck, dass die Schürzenjäger immer und überall präsent sind. Schon gestern Abend lief in fast jedem Lokal und jeder Bar nur diese Musik und bis in den späten Abend sangen die Menschen einfach laut und fröhlich mit. Das war wirklich eine besondere Stimmung.

Etwas ist uns noch zu den Fans der Schürzenjäger aufgefallen. Im ersten Moment würde man diese ja eher im gesetzteren Alter suchen, halt unsere Generation. Wer mag und hört denn sonst schon Volksmusik? Aber mitnichten! Es ist erstaunlich, wie viele junge Leute hier mit Lederhose, Tour-Shirt und Trachtenhut herumlaufen. Ganze Cliquen feiern hier schon und bereiten sich auf das Konzert heute Abend vor. Erstaunlich. Aber auch schön, dass das so generationen-übergreifend funktionieren kann.

Der Tag begann heute etwas später, wir schafften es tatsächlich, bis kurz nach 8 zu schlafen. War wohl auch nötig, nach dem gestrigen Tag. Ursprünglich wollten wir in den Ort zum Frühstücken gehen, aber das haben wir kurzerhand umgeplant. So gibt es nur einen Kaffee, die Maschine und Kapseln gibt´s im Zimmer und ein paar abgepackte Croissants haben wir mitgebracht. Das reicht, lieber essen wir dann heute Mittag, denn was der Abend bringt, wissen wir noch nicht so recht.

Wir laufen also nochmal etwas durch den Ort und wie man sehen kann, ist das Wetter noch sehr ausbaufähig. Wir vertrauen aber mal auf den Wetterbericht, denn danach soll es heute trocken bleiben und sonnig werden.

Mitten in Mayrhofen entdecken wir dann diesen „Lost Place“. Daneben stand noch ein Schrottwagen und bergeweise Metallreste, das Haus war ebenfalls total verfallen. Das vermutet man in einem solchen Ort auch nicht unbedingt.

So ist der Vormittag wie im Flug vergangen und wir gehen in die Nähe des Sammelplatzes für die Biker zum Essen. Ausgesucht haben wir uns den Gasthof Perauer, weil der direkt an der Ahornbahn liegt. Nachdem es gestern ja kein typisch alpenländisches Essen gab, wollen wir das heute nachholen. Als wir heute Vormittag hier vorbeigelaufen sind, haben wir schon mal in der Speisekarte geschmökert und unsere Favoriten herausgesucht. Leider gibt es am Samstag aber nur eine reduzierte Karte 🙁 Schade, aber wir finden auch da was.

Gut war´s und danach gab´s den obligatorischen Espresso.

Weil es noch gar so früh war, gehen wir einfach mal zum Sammelplatz der Biker, zu Stoaners Bienenhäusl. Und da ärgern wir uns, dass wir nicht gleich zum Essen hierher gegangen sind. Ein wundervolles Plätzchen, direkt unter der Seilbahn. Tische drinnen, draußen auf der Wiese, mit Sonnenschirmen. Sehr schön!

Wir setzen uns dann doch nochmal auf einen Cappuccino und eine Limo hin und später muss auch noch ein Kaiserschmarrn sein.

Das war einfach zu schön dort und ganz nebenbei konnten wir noch den Gleitschirmfliegern bei der Landung zusehen.

Als wir Richtung Zimmer aufbrechen, kommen auch schon die ersten Biker an und wir sind schon richtig gespannt, was da noch alles kommen wird.

Den Biker-Corso wollen wir uns dann von unserem Balkon aus ansehen, denn die Strecke führt direkt vor uns vorbei. Die Spannung steigt!

Irgendwann um 16:30 hört man dann, wie der Corso am Bienenhäusl startet. Jetzt geht es erst aus Mayrhofen raus, dann auf der Bundesstrasse ans andere Ende und von dort wieder in den Ort. Nächster Stopp ist das Rathaus – oder Gemeindeamt – und dann kommen sie durch die Hauptstrasse hoch.

Ganz spontan darf noch eine Braut mit Freddy mitfahren und dann geht es mit lautem Hupen weiter. Der Corso ist so lang, dass das Ende noch bei uns steht, als der Anfang schon am nächsten Halt angekommen ist. So haben wir echt viel Zeit, uns die Motorräder anzusehen. Sogar Alfred Eberharter jun. hat sich unter die Besucher gemischt und unterhält sich lange mit unserem Vermieter.

Ursprünglich war es ja mal ein Harley-Corso, mittlerweile fahren aber auch alle anderen Maschinen mit, vom Trike über historische Motorräder bis hin zum Mofa ist alles geboten. Überragend! Wie viele es sind? Keine Ahnung, aber eine ganz schöne Menge und vor allem viele wirklich sehenswerte Maschinen.

Jetzt ist es Zeit für uns, so langsam in den Shuttle Bus zu steigen, der uns hoch nach Finkenberg zum Festival-Gelände bringt. Das ist wirklich hervorragend organisiert – und dazu auch noch kostenlos.

Die Haltestelle wäre direkt vor unserem Appartement, aber wir sehen schon den ganzen Tag, dass die Busse hier schon voll ankommen und oft sogar durchfahren. Also laufen wir ein paar Minuten in den Ort, zur vorherigen Haltestelle. Und siehe da, zwei Minuten später kommt ein fast leerer Bus und wir können bequem einsteigen und uns einen Sitzplatz aussuchen. An „unserer“ Haltestelle ist dann schon ein riesiges Gedränge und es kommen gar nicht alle mit.

Jetzt geht es nach Finkenberg, vielleicht 10 oder 15 Minuten später sind wir da und müssen erstmal durch die Einlasskontrolle, was zwar etwas dauert, aber vollkommen entspannt vor sich geht.

Und dann sind wir drin! Das Gelände ist wie so ein kleines Amphitheater aufgebaut. Vorne die Bühne, davor ein ebener Platz und dann der ansteigende Hang. Es spielt noch eine Vorgruppe, aber der Platz vor der Bühne ist wohl schon seit Stunden gefüllt.

Unser Platz war gut, zumindest am Anfang 🙂 Durch das Gefälle hat man nie das Problem, dass einem jemand die Sicht versperrt. Auf dem Bild wirkt das auch viel weiter, als es in Wirklichkeit war. Mit der Zeit haben wir aber bemerkt, dass es brutal anstrengend ist, stundenlang auf dem abschüssigen Gelände zu stehen.

Es wurde dann langsam dunkel und um 20:30 h kamen die Stars des Abends auf die Bühne. Begleitet von Gleitschirmfliegern mit Fackeln, die am Himmel einflogen und am Hang gegenüber landeten. Sehr gelungen, das sieht man auch nicht alle Tage.

Dann waren sie da. Das Finkenberg Open Air 2026 beginnt.

Wir haben es genossen, 2,5 Stunden non Stopp, meistens mit den Klassikern und eine ganz besondere Stimmung kam auf, als nach vielen Jahren die beiden Urgesteine Alfred Sen. und Freddy die Bühne betraten und fast das komplette Konzert mitspielten.

Die mehr als zwei Stunden waren im Flug vorbei und gerade hier in Finkenberg, der Heimat der Schürzenjäger, ist es eh eine ganz besondere Atmosphäre für die Band und die Fans. Es war jede Sekunde wert, auch wenn die Füße irgendwann richtig weh taten.

Zum Abschluss gab es wie erwartet „Sierra Madre“ und ich muss sagen, diese Stimmung, dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Das ist einmalig, unbeschreiblich und bleibt für immer.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass da vorne auf der Bühne keine Unternehmer stehen, die Ihr Programm abspulen, um möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen. Mag sein, dass es hier in Finkenberg auch noch anders ist, aber die Kerle da vorne sind mit Leidenschaft dabei und machen das, weil es Ihnen richtig Spaß macht. Nur so ist auch zu erklären, dass das Festival über mehrere Tage geht und eine ganze Region mitfeiert.

Direkt nach Sierra Madre machen wir uns auf den Weg zum Ausgang, dann all die Menschen hier müssen ja mit Bussen wieder zurück in Ihre Unterkünfte. Begleitet von einem Abschlußfeuerwerk haben wir Glück und sitzen in einem der ersten Busse, die nach dem Konzert zurückfahren. Da wir dann nur am Bahnhof aussteigen können, haben wir noch 20 Minuten zu Fuß vor uns und sind um Mitternacht im Zimmer.

Schön war´s und es wird uns sehr lange in Erinnerung bleiben. Wiederholung nicht ausgeschlossen!

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